Beschreibung
Dr. Wolfgang Bialas |
Cottbuser Fußballgeschichte Teil 1
Fußball im Kaiserreich (1893-1918)
Cottbus war und ist eine Sportstadt. Davon zeugt der „Weg des Ruhmes“ vor dem Rathaus, wo die Stadt Cottbus ihren Olympischen und Paralympischen Medaillengewinnern ein einzigartiges Denkmal gesetzt hat.
Cottbus ist eine Fußballstadt! In diesem Jahr hat Energie Cottbus seinen 60. Geburtstag gefeiert. Der erfolgreichste Brandenburger Fußballverein hat uns in den vergangenen Jahren mit Spielen in der 1. und 2. Fußball-Bundesliga erfreut. Und dafür aktualisiere ich sehr gern diesen Text – Energie Cottbus ist am 16.05.2026 wieder in die 2. Bundesliga aufgestiegen. Traditionsvereine wie der FSV Viktoria Cottbus 1897, der SV Wacker 09 Ströbitz oder der BSV Cottbus-Ost bilden einen spannenden Bogen von heute zurück in die Cottbuser Fußballvergangenheit.
Deshalb kann die Frage, war Cottbus eine Fußballstadt eindeutig mit „ja“ beantwortet wer-den. Ja, wir können in diesem Jahr 2026 auf ununterbrochen 130 Jahre Cottbuser Fußball zurückblicken. Am 19. Juni 1896 wurde der SC Alemannia gegründet, der erste Cottbuser Verein, der viele Jahre an Wettbewerbsspielen im Fußballbezirk Niederlausitz teilnahm und sogar am Ende der Fußballsaison 1908/1909 im Viertelfinale der Deutschen Fußballmeisterschaften stand.
Starten wir in eine unglaublich faktenreiche Cottbuser Fußballgeschichte, Teil 1 – 1893 bis 1918. Vor allem mit dem Blick von damals muss es eigentlich richtig heißen: „Fußballgeschichte Cottbus und Umgebung 1893 – 1918“, denn viele Cottbuser Stadt- und Ortsteile waren vor 1918 Teil des Kreises Cottbus-Land. Das Kapitel Fußball in den Kriegsjahren 1914-1918 war ursprünglich nicht geplant, da fast alle bekannten Fachliteraturquellen davon sprachen, dass der Sport, so auch der Fußball im Krieg zum Erliegen kam. Eine sehr grundsätzliche und falsche Annahme, denn die sporthistorisch enge Verbindung von Fußball und Militär auch bei uns in der Niederlausitz wurde bisher völlig unterschätzt.
So wie der Ballsport in seinen Varianten Fußball, Rugby, Hockey und Cricket in der Mitte des 19. Jahrhunderts seinen Weg von (Süd-) England nach Deutschland fand, so kam das Fußball- spiel erstmals 1893 von Berlin nach Cottbus und im Jahr 1900 von Cottbus nach Forst. Beide aufstrebenden Industriestädte waren bis weit in die Weimaraner Republik das Zentrum des Niederlausitzer Fußballs. Das traditionelle Tuchmacherhandwerk in Cottbus und Forst wandelte sich zur Textilindustrie, dort waren tausende Menschen beschäftigt, ebenso bei der Reichsbahn und den Reichsbahnwerkstätten. Die Eisenbahn verband alle wichtigen Städte der Niederlausitz mit Berlin, Breslau, Dresden und Leipzig und fast immer mit der Bahn waren die Fußball- und Sportvereinsmitglieder zu auswärtigen Gesellschafts- und Wettbewerbsspielen unterwegs, das Gleiche galt für die Gastmannschaften.
Bis zum Jahr 1900 gründeten sich in Cottbus und Sandow schon 10 Fußball- und Sportvereine, einige hatten nur eine kurze Vereinsgeschichte. Das Interesse am Ballsport wuchs trotz Anfeindungen aus der noch übermächtigen Turnerschaft rasant, ebenso der Wunsch nach organisierten Wettkampfsport. Der Verband Niederlausitzer Ballspiel-Vereine bildete 1904 das erste beständige Organisationsdach über die Cottbuser und Forster Vereine, ab 1906 griffen die Statuten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Der Bezirk Niederlausitz wurde Mitglied im Süd-Ostdeutschen Fußballverband. Neben der Niederlausitzer Meisterschaft wurde die Süd-Ostdeutsche Fußballmeisterschaft ausgespielt, dessen Sieger an den Spielen um die Deutsche Fußballmeisterschaft teilnahm.
Neben den DFB-angehörenden Fußball- und Sportvereinen (dazu gehörten auch die Cottbuser Feld-Hockey-Vereine) bildeten sich ab 1910 erste Spielabteilungen der Cottbuser Turnvereine, sowohl bei der bürgerlichen wie auch bei der Arbeiter- bzw. Freien Turnerschaft. In getrennten Gauligen spielten die Turnerfußballer ebenfalls um den Niederlausitz-Meister, ganz vorn mit dabei der bürgerliche TV 1861 und die Freie Turnerschaft, Abteilung 1 Cottbus. Die verschiedensten Vereinschroniken geben einen detaillierten Einblick in das sportliche und gesellige Vereinsleben im kaiserlichen Deutschland.
Fußball war im Gegensatz zum Turnsport von Anfang an eine Freiluft-Sportart. Wo und wie in Cottbus zumeist durch Initiative der Vereine die notwendigen Spiel- und Sportplätze entstanden sind, wird ebenfalls ausführlich gewürdigt. Ebenso die Tatsache, dass der Fußball- und der
Hockeysport ein bedeutender „Geburtshelfer“ für die entstehenden Leichtathletikstrukturen in Cottbus war.
Was der sportliche Leser wissen sollte:
Die bekannten fußballstatistischen Fakten aus den Fußballbüchern von Luy und Szonn wurden durch Recherchen in den lokalen Quellen (Cottbuser Anzeiger, Märkische Volksstimme, Vereinsgründungs- Polizeiakten, Chroniken und Festschriften der Cottbuser Stadt- und Ortsteile) ergänzt.
- Obwohl es sehr viele Postkartenmotive von der Stadt Cottbus vor 1918 gab und fast jedes historisch wertvolle Gebäude oder Denkmal durch Fotoaufnahmen dokumentiert wurde, fehlen fast vollständig bildliche Darstellungen von Ballspielen sowie Sport- und Ballspiel- plätzen.
- Die Schreibweise einiger weniger Vereinsnamen wandelte sich im Laufe der Zeit. Aus „Victoria“ wurde „Viktoria“ und aus „Allemannia“ wurde „Alemannia“. Letztere Schreibweise wurde durchgehend angewandt. Die Zitate beinhalten die Original-Schreibweise.
- In diesen 1. Teil Cottbuser Fußballgeschichte werden nur die Vereine gewürdigt, von denen vor 1918 eigenständige Spielabteilungen existierten oder Fußballspiel-Ansetzungen überliefert sind. Man möge bitte z.B. beim SV Eiche Branitz 1902 oder bei der SG Sachsendorf 1904 nicht hadern, bei euren Vereinen stand zunächst der Turnsport an erster Stelle.
Zu Dank verpflichtet bin ich für die Unterstützung bei den Recherchen und der Bucherstellung
- den Leitern des Stadtmuseums Steffen Krestin und Robert Büschel
- den Leitern des Stadtarchivs Udo Bauer und Ricardo Wanke
- den Archivarinnen Martina Kuhlmann, Steffi Friedewald und Evelyn Blumrodt
- Stefan Brozdetzko für das Layout sowie
- dem Historischen Heimatverein Cottbus e.V.
Ich wünsche eine angenehme Lektüre.
Dr. Wolfgang Bialas
im Herbst 2026
(Preis inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten)













